Unsichtbare Tagesgäste sichtbar machen
Tagesgäste nutzen touristische Infrastruktur, besuchen Veranstaltungen, Gastronomie oder Freizeiteinrichtungen und tragen erheblich zur touristischen Wertschöpfung bei. Gleichzeitig bleiben sie in vielen Kommunen statistisch und finanziell nur teilweise sichtbar.
Viele Kommunen beschäftigen sich daher zunehmend mit der Frage, wie Tagesgäste besser erfasst und gegebenfalls in die Finanzierung touristischer Infrastruktur einbezogen werden können. Dafür braucht es rechtssichere Regelungen, praktikable Erfassungsmethoden und nachvollziehbare Daten.
Diese Seite gibt einen Überblick über rechtliche Grundlagen, Möglichkeiten der Datenerhebung sowie Praxisbeispiele und Hinweise für Kommunen.
Warum die Erfassung von Tagesgästen wichtig ist
Laut dwif Tagesreisenmonitor 2025 wurden im Jahr 2024 rund 90,8 Millionen Tagesreisen in Brandenburg verzeichnet. Der damit verbundene Umsatz lag bei rund 2,7 Milliarden Euro
Gleichzeitig nutzen Tagesgäste touristische Infrastruktur und Angebote und verursachen damit auch Kosten, etwa für:
- Touristische Infrastruktur
- Parkplätze und öffentliche Toiletten
- Wege und Aufenthaltsbereiche
- Veranstaltungen und Serviceangebote
- Reinigung und Besucherlenkung
Viele Kommunen prüfen daher Möglichkeiten, Tagesgäste stärker in bestehende Finanzierungsmodelle einzubeziehen.
Präsentation und Aufzeichnung
Die Inhalte dieser Seite basieren auf der digitalen Kurzwerkstatt „Unsichtbare Tagesgäste sichtbar machen“ im Rahmen der Reihe „Tourismusfinanzierung in Brandenburg“ vom 14.10.2025
Mehr Informationen und weitere Hinweise können Sie in der Präsentation zur Veranstaltung hier einsehen.
Rechtliche Grundlagen
Das Kommunalabgabegesetz Brandenburg (KAG) ermöglicht grundsätzlich auch die Berücksichtigung von Tagesgästen bei Gäste- und Kurbeiträgen. Voraussetzung ist, dass sich die Personen zu touristischen Zwecken im Erhebungsgebiet aufhalten und touristische Angebote nutzen können.
Wichtig ist dabei:
- Tagesgäste sollten in der Satzung klar definiert werden
- Die Erhebung muss praktikabel umsetzbar sein
- Aufwand und Nutzen sollten in einem angemessenen Verhältnis stehen
- Touristische Tagesgäste müssen von Alltags- oder Berufsverkehr abgegrenzt werden
Möglichkeiten zur Erfassung von Tagesgästen
Viele Kommunen kombinieren unterschiedliche Methoden, um Besucherzahlen besser einschätzen zu können.
Dazu gehören beispielsweise:
- Besucher- und Parkplatzzählungen
- ÖPNV- und Mobilitätsdaten
- Digitale Tageskarten oder Ticketsysteme
- Automaten an touristischen Einrichtungen
- Befragungen und Stichproben
- Auswertung von Ticket- und Verkaufszahlen
- Digitale Besuchermessung und Besucherlenkung
Auch Daten aus Tourist-Informationen, Veranstaltungen oder Parkraummanagement können wichtige Hinweise liefern.
Customer Journey und Besucherlenkung
Für Kommunen kann es hilfreich sein, die Wege und Kontaktpunkte ihrer Tagesgäste genauer zu betrachten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Parkplätze
- Tourist-Informationen
- Veranstaltungen
- Strandzugänge
- Häfen und Freizeiteinrichtungen
- digitale Plattformen und Apps
Die Analyse solcher Kontaktpunkte kann helfen, geeignete Standorte für Informationen, Tageskarten oder Besucherlenkung zu identifizieren.
Typische Herausforderungen in der Praxis
Viele Kommunen stehen bei der Erfassung von Tagesgästen vor ähnlichen Fragen, zum Beispiel:
- Fehlende oder unvollständige Daten
- Hoher Verwaltungsaufwand
- Kontrolle der Beitragserhebung
- Akzeptanz bei Gästen und Leistungsträgern
- Technische und organisatorische Umsetzung
Wichtig ist eine realistische Abwägung zwischen Aufwand und Nutzen der Erhebung.
Good Practices
Verschiedene Destinationen setzen bereits Tageskarten oder Tagesabgaben ein, etwa über:
- Automaten an Strandzugängen oder Parkplätzen
- Digitale Gästekarten per Smartphone
- Kombinationen mit ÖPNV-Angeboten
- Freiwillige Beiträge für touristische Einrichtungen
Tipps für Kommunen
Erfolgreiche Kommunen setzen bei der Erfassung und Einbindung von Tagesgästen häufig auf:
- Verständliche Kommunikation
- Nachvollziehbare Satzungsregelungen
- Leicht zugängliche Verkaufsstellen für Tageskarten
- Nutzung unterschiedlicher Daten und Erfassungsmethoden
- Digitale und analoge Informationsangebote
- Frühzeitige Einbindung von Leistungsträgern
- Regelmäßige Auswertung von Besucherzahlen und Besucherströmen
Hilfreich kann außerdem sein, die Wege und Kontaktpunkte der Gäste innerhalb der Destination genauer zu betrachten und mit Nachbarkommunen zusammenzuarbeiten.
Checkliste: Umsetzung der Tagesgast-Erfassung
Vor der Einführung oder Erweiterung einer Tagesgast-Erfassung sollte geprüft werden:
Vorüberlegungen
- Gibt es eine klare Definition von Tagesgästen?
- Wurden relevante Touchpoints und Kontaktpunkte in der Destination identifiziert?
- Wurde die Customer Journey der Gäste betrachtet?
- Gibt es eine realistische Abwägung zwischen Aufwand und Nutzen der Erhebung?
Kommunikation
- Sind Kommunikationsmaßnahmen für Tagesgäste vorgesehen?
- Gibt es Informationen auf digitalen und analogen Plattformen?
- Wurden geeignete Einnahme- und Ausgabestellen identifiziert, z. B. Parkplätze, Tourist-Informationen oder Freizeiteinrichtungen?
- Sind Leistungsträger und touristische Partner eingebunden?
Erhebung und Datengrundlagen
- Welche Datenquellen und statistischen Größen stehen bereits zur Verfügung?
- Welche Erfassungsmethoden sind praktikabel umsetzbar?
- Können Besucherzahlen und Besucherströme ausgewertet werden?
- Ist der Verwaltungsaufwand realistisch umsetzbar?