Destinationsmanagement

Kalkulation touristischer Abgaben

16.07.2026
Sharing
  • In Zwischenablage kopiert

Die Kalkulation ist das zentrale Fundament jeder touristischen Abgabe. Sie entscheidet darüber, ob eine Satzung rechtssicher ist, ob politische Zustimmung gelingt und ob die Abgabe langfristig akzeptiert wird. Eine nachvollziehbare Kalkulation schafft Transparenz gegenüber Politik, Leistungsträgern und Öffentlichkeit und schützt die Kommune vor rechtlichen Risiken.

Warum eine sorgfältige Kalkulation so wichtig ist 

Die Höhe eines Gästebeitrags oder Tourismusbeitrags darf nicht geschätzt oder pauschal festgelegt werden. Sie muss sich aus den tatsächlich entstehenden Kosten für touristische Einrichtungen und Leistungen ableiten lassen. 

Dabei geht es insbesondere um: 

  • Rechtssicherheit der Satzung  
  • Nachvollziehbarkeit der Beitragshöhe  
  • Akzeptanz bei Politik und Leistungsträgern  
  • langfristige Finanzierungsstabilität  

Eine gute Kalkulation ist daher nicht nur eine Rechenaufgabe, sondern auch ein strategisches Steuerungsinstrument für die Tourismusentwicklung. 

Das Kostendeckungsprinzip – Grundlage jeder Kalkulation 

Die Kalkulation touristischer Abgaben folgt dem sogenannten Kostendeckungsprinzip. Das bedeutet: Einnahmen aus Gästebeiträgen oder Tourismusbeiträgen dürfen grundsätzlich nur so hoch sein, wie die tatsächlich entstehenden Kosten für touristische Einrichtungen und Leistungen. 

Ziel ist nicht die Gewinnerzielung, sondern eine angemessene und transparente Finanzierung touristischer Infrastruktur und Angebote. 

Das Kostendeckungsprinzip sorgt dafür, dass: 

  • Beiträge rechtssicher festgelegt werden  
  • Belastungen für Gäste und Unternehmen nachvollziehbar bleiben  
  • Einnahmen zweckgebunden eingesetzt werden  
  • Vertrauen bei Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit entsteht  

Gleichzeitig bedeutet das: 

  • Eine Unterdeckung ist möglich  
  • Eine Überdeckung muss vermieden werden  
  • Die Kalkulation muss regelmäßig überprüft werden  

Die sorgfältige Ermittlung der Kosten und deren nachvollziehbare Verteilung ist daher der zentrale Schritt bei der Einführung touristischer Abgaben. 

Präsentation und Aufzeichnung 

Die Inhalte dieser Seite basieren auf einer digitalen Kurzwerkstatt zur Einführung touristischer Kommunalabgaben in Brandenburg vom 22.07.2025. 

Touristische Umsetzungshilfe für das Kommunalabgabengesetz (KAG)

Sehen Sie hier die Aufzeichnung der Veranstaltung zum Kommunalabgabengesetz  „Touristische Umsetzungshilfe für das KAG in Brandenburg“ vom 22. Juli 2025. Im Fokus: Konkrete Planung der Kalkulation touristischer Kommunalabgaben.

Zentrale Schritte der Kalkulation 

Die Kalkulation erfolgt in mehreren logisch aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten. 

1. Erfassung der touristischen Einrichtungen und Leistungen 

Zu Beginn steht die vollständige Übersicht über alle touristisch relevanten Einrichtungen und Maßnahmen, zum Beispiel: 

  • Tourist-Informationen  
  • Rad- und Wanderwege  
  • Veranstaltungen  
  • Marketingmaßnahmen  
  • touristische Infrastruktur  

 Wichtig ist eine klare Abgrenzung: 

  • Was dient überwiegend touristischen Zwecken?  
  • Was dient auch der Allgemeinheit?  

Diese Abgrenzung bestimmt später den umlagefähigen Kostenanteil. 

2. Ermittlung der Kosten 

Im nächsten Schritt werden die Kosten der touristischen Einrichtungen und Leistungen erfasst, zum Beispiel: 

  • Personal  
  • Sachkosten  
  • Betriebskosten  
  • Abschreibungen  
  • Investitionskosten  

Dabei gilt: Nicht alle Kosten sind automatisch umlagefähig. Nur der touristisch verursachte Anteil darf in die Kalkulation einbezogen werden. 

3. Bestimmung des umlagefähigen Anteils 

Ein zentraler Schritt ist die Aufteilung der Kosten zwischen: 

  • touristischer Nutzung  
  • Nutzung durch Einheimische  
  • sonstiger Nutzung  

 Typische Beispiele: 

  • öffentliche Toiletten  
  • Radwege  
  • Veranstaltungen  
  • Parkplätze  

Hier wird festgelegt, welcher Anteil der Kosten durch Gäste oder touristisch profitierende Unternehmen getragen werden kann. 

4. Verteilung der Kosten auf Beitragspflichtige 

Im letzten Schritt werden die Kosten auf die Beitragspflichtigen verteilt, zum Beispiel: 

  • Übernachtungsgäste  
  • Tagesgäste  
  • touristisch profitierende Unternehmen  

 Dabei müssen klare und nachvollziehbare Maßstäbe gewählt werden, zum Beispiel: 

  • Übernachtungszahlen  
  • Betriebsarten  
  • Umsätze  
  • Besucherzahlen  

Die Verteilungsmaßstäbe müssen sachgerecht und nachvollziehbar sein. 

Typische Herausforderungen in der Praxis 

Aus der Arbeit mit brandenburgischen Kommunen zeigen sich immer wieder ähnliche Fragestellungen: 

  • Welche Einrichtungen sind tatsächlich touristisch?  
  • Wie wird der touristische Anteil realistisch geschätzt?  
  • Welche Daten sind verfügbar?  
  • Wie detailliert muss die Kalkulation sein?  
  • Wie wird die Kalkulation verständlich kommuniziert?  

Diese Fragen sind normal und Teil des Prozesses. 

Erfolgreiche Kommunen setzen auf: 
  • klare Dokumentation der Kalkulation  
  • frühzeitige Einbindung der Politik  
  • transparente Kommunikation  
  • realistische Annahmen  
  • nachvollziehbare Berechnungsschritte  

Das reduziert Konflikte und erhöht die Akzeptanz der Abgabe. 

Checkliste: Vorbereitung der Kalkulation touristischer Abgaben 

Vor Beginn der Kalkulation sollte geklärt sein: 
  • Sind alle touristischen Einrichtungen und Leistungen erfasst?  
  • Liegen aktuelle Haushalts- und Kostendaten vor?  
  • Gibt es eine klare Abgrenzung zwischen touristischer und allgemeiner Nutzung?  
  • Sind die relevanten Besucher- und Nutzungszahlen verfügbar?  
  • Ist festgelegt, wer die Kalkulation verantwortet?  
  • Sind politische Gremien frühzeitig eingebunden?  
  • Wird die Kalkulation nachvollziehbar dokumentiert?