Digitalisierung

Digitale Touren: Neuer Leitfaden zur System-Qualität

06.02.2026
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Immer mehr Tourismusorganisationen bieten ihre Rad- und Wanderwege digital zum Download an. Doch wie lässt sich die Datenqualität sichern? Die Initiative „Route 3.0“ der DTV-Arbeitsgruppe Qualität legt Kriterien für verlässliche digitale Touren fest. Der neueste Leitfaden widmet sich der Qualität von Systemen, mit denen Tourismusorganisationen Touren managen.

Nachgefragt bei Susanne Bleibel, Teamleitung Digitalisierung und Datenmanagement bei der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg und Mitglied der DTV-Unterarbeitsgruppe Digitale Daten.

Warum sollten Tourismusorganisationen die Qualität von Tourenmanagementsysteme in den Blick nehmen? 

Digitale Tourenangebote sind ein zentraler Baustein in der Angebotsplanung und im Erlebnis vor Ort. Sie werden von Gästen nicht nur zur Orientierung, sondern aktiv zur Navigation genutzt. Sei es beim Radfahren, Wandern oder Stadtspaziergang. Allerdings variiert die Qualität der Daten stark. Mit Route 3.0 haben wir erstmals einheitliche, praxisnahe Kriterien entwickelt, die sicherstellen, dass GPX-Tracks und begleitende Inhalte präzise nutzbar sind. Die Qualität der Systeme, in denen diese Touren erfasst und verwaltet werden, ist hierfür eine essenzielle Voraussetzung. Diese Systeme sind die Grundlage für alles: In ihnen werden Touren erfasst, gepflegt, aktualisiert, strukturiert und in verschiedene Kanäle ausgespielt. Wenn in den Tourenmanagementsystemen Prozesse, Datenmodelle oder Schnittstellen nicht sauber aufgesetzt sind, oder Informationen gar nicht erst hinterlegt werden können, entstehen zwangsläufig Fehler und Inkonsistenzen.

Susanne Bleibel

Susanne Bleibel, Teamleitung Digitalisierung und Datenmanagement bei der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg

Was ist als nächstes geplant? 

Mit der dritten Ausgabe zur System-Qualität schließen wir den fachlichen Rahmen: Wir haben Qualitätskriterien für Daten, Inhalte und die zugrunde liegenden Systeme definiert. Der nächste Schritt ist aber, von Leitfäden hin zur tatsächlichen Umsetzung zu kommen. Denn Standards entfalten nur dann Wirkung, wenn sie flächendeckend angewendet werden. Deshalb sollte Route 3.0 künftig noch stärker in Richtung Verbindlichkeit und Integration gedacht werden. Zum Beispiel durch die Integration in Qualitätsinitiativen, durch konkrete Mindeststandards für Förderprojekte, durch Checklisten für Destinationen und durch eine stärkere Verankerung in bestehenden Datenplattformen. Gleichzeitig wird es wichtig sein, Automatisierung und KI-gestützte Qualitätsprüfungen mitzudenken, zum Beispiel bei der Validierung von GPX-Tracks oder zur Aktualitätskontrolle. Langfristig sehe ich Route 3.0 nicht nur als Leitfaden, sondern als Branchenstandard für digitale Touren, der Systemanbieter, Datenplattformen und Destinationen stärker zusammenbringt. Dafür muss Route 3.0 noch stärker durch alle Akteure in die Breite gebracht werden, einerseits in der Kommunikation, andererseits durch Schulungs- und Lernformate. 

Das Interview erschien zuerst im Newsletter des DTV Deutscher Tourismusverband