Woche 5: Naturtourismus
Wie Sie Ihre Naturtourismus-Infrastruktur klimafit machen – praktische Tipps für Wege, Gebäude & Naturflächen
Liebe Anbieterinnen und Anbieter im Natur- und Aktivtourismus,
immer deutlicher wird, wie verletzlich Naturerlebnisräume gegenüber Klimaveränderungen sind. Hitze, Starkregen, Trockenheit und Stürme betreffen nicht nur Gäste, sondern auch Wege, Gebäude, Vegetation und die gesamte Besucherinfrastruktur. Wer jetzt handelt, kann Schäden verhindern, Erlebnisqualität steigern und langfristig Kosten sparen.
In Brandenburg wird sich die Zahl der Hitzetage über 30 °C bis 2050 nahezu verdoppeln. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse und Gewitter deutlich zu. Für naturtouristische Angebote bedeutet das: Wanderwege, Rastplätze, Aussichtspunkte, Stege, Besucherzentren und Naturflächen müssen künftig mehr aushalten als je zuvor.
Unsere neue Lerneinheit zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Infrastruktur auf diese Veränderungen vorbereiten mit praxisnahen, sofort umsetzbaren Lösungen aus dem Leitfaden Naturtourismus. Von schattigen Wegen über wasserdurchlässige Beläge bis hin zu klimaangepasster Vegetation – kleine Schritte mit großer Wirkung.
Lernvideo: Klimaanpassung der Naturtourismus-Infrastruktur
Wo steht Ihr Naturtourismusangebot?
- Wie schnell heizen sich Ihre Wege, Plätze oder Besucherbereiche an heißen Tagen auf?
- Gab es bereits Starkregenereignisse, die Abschnitte unpassierbar oder rutschig gemacht haben?
- Wie oft mussten Sie in Trockenperioden Wege sperren, Böden stabilisieren oder Vegetation ersetzen?
Diese Situationen zeigen, wo Ihre Infrastruktur besonders unter Druck steht und wo schon einfache Anpassungen große Wirkung erzielen können.
Drei zentrale Handlungsfelder
1. Hitzeschutz für Wege, Gebäude & Aufenthaltsbereiche
Steigende Temperaturen belasten besonders offene Wege, unbeschattete Rastplätze und Besucherzentren. Ohne Verschattung oder Begrünung werden Flächen schnell über 35 °C heiß – eine Belastung für Gäste und Mitarbeitende.
Mit standortangepassten, hitzeresistenten Baumarten (z. B. Spitzahorn, Mehlbeere, Traubeneiche), temporären Beschattungen oder Dach- und Fassadenbegrünungen lassen sich Temperaturen deutlich senken.
Querlüftungen und einfache Ventilationssysteme in Besucherzentren verhindern zudem Überhitzung von Innenräumen und technischer Infrastruktur. Damit bleibt das Naturerlebnis auch an Hitzetagen angenehm und sicher.
2. Wassermanagement in Trocken- und Hitzeperioden
Längere Dürrephasen, sinkende Wasserstände und hohe Temperaturen setzen Naturflächen stark unter Druck. Wassersparmaßnahmen wie Durchflussbegrenzer, wasserlose Sanitärtechnologien oder Regenwassernutzung machen Ihren Betrieb unabhängiger und stabiler.
Wichtig für Naturflächen: hitzetolerante, standortangepasste Vegetation, die Böden stabilisiert, Schatten spendet und weniger Bewässerung benötigt. In besonders trockenen Bereichen können angepasste Bewässerungszeiten und sparsame Systeme Böden entlasten und Wege funktionsfähig halten.
3. Starkregenresiliente Wege & Flächen
Extremwetterereignisse belasten Wege und Gelände zunehmend. Herkömmliche Entwässerungssysteme stoßen schnell an Grenzen. Wasserdurchlässige Beläge, Entwässerungsmulden entlang von Wegen, naturbasierte Versickerungsflächen und gezielte Wegemodellierung verhindern Überflutungen, Unterspülungen und gefährliche Rutschungen.
Regelmäßige Baumkontrollen, erhöhte technische Installationen und klare Besucherinformationen erhöhen zusätzlich die Sicherheit. So bleiben Wege, Stege und Aufenthaltsbereiche auch bei Starkregen funktionsfähig und Gäste fühlen sich sicher.
Diese baulichen und landschaftsökologischen Maßnahmen bilden das Fundament einer klimaresilienten Naturtourismus-Infrastruktur.
Ergänzend wichtig: klimaangepasste Vegetation
Hitzetolerante, heimische Pflanzenarten verbessern das Mikroklima, stabilisieren Böden, reduzieren Staubentwicklung und schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel – ein zentraler Baustein für Naturqualität und Erlebniswert.
Mehr dazu in unserer Infografik zu klimaangepasster Vegetation im Naturtourismus.
Inspiration & weiterführende Links
BUND-Seenreport Brandenburg
Der Seenreport zeigt, wie Wasserqualität, Niedrigwasser und Biodiversität beobachtet und bewertet werden – wichtig für alle Betriebe in Gewässernähe. Mehr zum Seenreport (Quelle: Wissenspapier)
Good Practice: Kletterpark Grünheide
Der Kletterwald Grünheide ist vollständig in die natürliche Waldstruktur eingebettet – Seil- und Plattformverankerungen sind rückstandslos entfernbar und schützen damit das Ökosystem. Feste Wege verhindern Bodenverdichtung und schützen Baumwurzeln nachhaltig.
Weitere Unterstützung gefällig?
Selbst-Check: Jetzt eigene Potenziale entdecken!
Wenn Sie herausfinden möchten, wo Ihr Betrieb aktuell steht und welche Maßnahmen für Sie am wichtigsten sind, nutzen Sie unseren Self-Check zur Klimaanpassung. Er zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie gut Ihr Betrieb bereits vorbereitet ist und wo noch Potenzial liegt.
Chatbot KLARA: Antworten zur Klimaanpassung
Außerdem steht Ihnen unser Chatbot KLARA als Ratgeberin zur Klimaanpassung rund um die Uhr zur Seite: Er beantwortet Ihre Fragen, hilft bei der Einordnung der Inhalte und führt Sie direkt zu den passenden Tipps.
Ausblick
Nächste Woche geht es um ein Thema, das im Ernstfall entscheidend ist: Krisenkommunikation im Naturtourismus – wie Sie Gäste bei Extremwetter richtig informieren und schützen.
Bleiben Sie dran!