Sparkassen-Tourismusbarometer: Tourismus in Ostdeutschland
Die touristische Nachfrage in den ostdeutschen Bundesländern ist stabil, die Gästezufriedenheit hoch – doch ohne zusätzliche Investitionen droht mittelfristig ein Substanzverlust. Dieses Fazit zieht der Ostdeutsche Sparkassenverband im aktuellen Tourismusbarometer, das am 27. Februar 2026 vorgestellt wurde.
Sparkassen-Tourismusbarometer: Situation des Tourismus in Ostdeutschland
Mit 85,5 Millionen Übernachtungen (-0,2 Prozent) und 466,5 Millionen Tagesreisen bestätigt sich 2025 die stabile Nachfrage in den fünf ostdeutschen Bundesländern. Der Tagestourismus erwirtschaftete dabei einen Bruttoumsatz von rund 13,9 Milliarden Euro und bleibt ein zentraler Umsatzträger der Branche. Outdoor-Aktivitäten wie Wandern und Radfahren liegen weiterhin im Trend. Bundesweit wurden 497,4 Millionen Übernachtungen gezählt – ein leichtes Plus von 0,3 Prozent gegenüber 2024.
Qualität zahlt sich aus – Gästezufriedenheit steigt weiter
Positiv entwickelt sich die Gästezufriedenheit: Der Performance-Score liegt 2025 bei 85 Punkten (+0,8). Besonders stark bewertet werden mit Service, Sauberkeit und Zimmerausstattung die Kernleistungen der Betriebe. Der Service wird dabei in Ostdeutschland mit der höchsten Punktzahl bewertet – auch wenn die Zufriedenheit der Gäste insgesamt etwas zurückging. Erstmalig ist die Kategorie Sauberkeit der Beherbergungsbetriebe aufgeführt. Gleich vier ostdeutsche Regionen schaffen es hier unter die Top 10 Destinationen bundesweit: Elbe-Elster-Land, Thüringer Rhön, Oberlausitz-Niederschlesien und Vogtland. Insgesamt zeigen insbesondere die Bewertungen der Zimmerausstattung weiteren Investitionsbedarf.
Investitionen als Schlüssel zur Zukunftssicherung
Gleichzeitig verschärft sich die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. „Die Zahlen sind eindeutig: Trotz Preisanpassungen sinken die Umsätze, die Kosten steigen – die Marge bleibt auf der Strecke. Das erklärt, warum Investitionen stocken. Aber das rechtfertigt die Zurückhaltung nicht“, betonte der Geschäftsführende OSV-Präsident Ludger Weskamp. „Wer jetzt investiert, festigt eine Substanz, die sich diese Branche hart erarbeitet hat.“
Im Geschäftsjahr 2024 sank die Investitionsquote in Ostdeutschland um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr – deutlich stärker als im bundesweiten Vergleich (-0,2 Prozent). Cash-Flow und Eigenkapital blieben weitgehend stabil, die Liquidität ist gesichert. Langfristig könne die Investitionszurückhaltung jedoch die Wettbewerbsfähigkeit gefährden, zeigt das Sparkassen-Tourismusbarometer.
Um die Konsolidierungsphase zu überwinden, empfiehlt das Tourismusbarometer gezielte Investitionen – zum Beispiel in energetische Sanierungen, neue Attraktionen in Freizeit- und Erlebniseinrichtungen oder auch digitale Infrastruktur wie Glasfaser- und 5G-Netze. Auch Investitionen in Qualifizierungsprogramme und attraktive Arbeitsbedingungen, um Personal langfristig zu binden, sind mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Branche eine wichtige Investition in die Zukunft.
Tourismusarbeit zukunftsfähig aufstellen
Tourismusorganisationen finanzieren sich überwiegend aus öffentlichen Mitteln – auf lokaler Ebene zu 55 bis 75 Prozent, auf regionaler Ebene zu rund 80 Prozent. Diese Finanzierung bleibt unverzichtbar, muss aber durch klar nachweisbare Mehrwerte legitimiert werden: für Lebensqualität, Wirtschaftskraft und Standortentwicklung.
Ergänzend gewinnen neue Modelle an Bedeutung – Eigenmittel, Crowdfunding oder Partnerschaften mit der regionalen Wirtschaft –, die Unabhängigkeit und Resilienz stärken. „Um langfristig erfolgreich zu sein, braucht es zudem professionell aufgestellte Managementorganisationen, die Zuständigkeiten und Ressourcen besser bündeln und die regionale Wirtschaft stärker einbinden – durch finanzielle Beteiligung und mehr Mitsprache“, so Ludger Weskamp.
Weitere Informationen
Der Sonderbericht "Tourismusarbeit in Orten, Destinationen und Ländern" steht hier zum Download zur Verfügung.
Alle Meldungen zum Sparkassen-Tourismusbarometer finden Sie auf den Seiten des OSV. Der Jahresbericht erscheint im Sommer 2026 und die regionalen Ergebnisse für Brandenburg werden am 08. Oktober 2026 vorgestellt.